Bauern, Bier und Brötchen

Brötchenblitz am 5. Dezember

Wo gibt es hochklassiges Blitzschach, eine Landschaft aus Brötchen und Bier bis zum Umfallen? Richtig, der Mensch mit Schachkultur beantwortet die Frage immer wie aus der Pistole geschossen mit einem Wort: ERFTSTADT!

Kurz zur Einordnung: Das Brötchenblitz in Erftstadt wird in 14 Runden Blitzschach (5 Minuten pro Spieler/Partie) ausgetragen, wobei die 4 Mannschaftsmitglieder nicht aus dem gleichen Verein kommen müssen, und es gibt keine feste Setzliste, auch Ersatzleute sind erlaubt. Dieses Turnier ist mittlerweile in ganz Deutschland bekannt (dieses Jahr unter anderem mit Teams aus Kiel und Berlin), und auch IMs und FMs sind regelmäßig zu Gast. In der Pause zwischen der 8. und 9. Runden gibt es kostenlose Brötchen für alle Turnierteilnehmer, daher der Name. Wie bei solchen Turnieren üblich, treten viele Teams mit herrlich absurden Namen an. Hier geht es nicht bierernst (pun intended) zu, der Spaß steht im Vordergrund!

Nach dem eher bescheidenen letztjährigen Abschneiden mit dem 27. Platz war es Zeit für eine Neuorientierung. Der Name 3 Alkis und 1 Fahrer hatte ausgedient und war mittlerweile ohnehin nicht mehr korrekt, da Philipp für den in Lohmar verhinderten Sven aushalf, was dem Gesamtscore aber gut tat, obwohl sich Philipp mehrfach im Vorfeld negativ zu seinen eigenen, nicht vorhandenen Blitzschachfähigkeiten äußerte; ein klassischer 4-minus-Sager, 2+ Holer eben. Wir einigten uns auf schließlich Philipps Namensvorschlag „Die Freibauerngilde“ und beschlossen, sie zu einem besseren Ergebnis zu führen. Insgesamt fanden dieses Jahr 60 Teams den Weg nach Erftstadt, was im Endeffekt eine Teilnehmerzahl von mehr als 250 Leuten bedeutete.

Als alle schließlich gut in Erftstadt angekommen waren, galt es Strategien zu schmieden. Eine Taktik, Gabriel und Raphael das Trinken zu verbieten, erwies sich als schwierig bis unmöglich. Eine Anweisung des WhatsApp-Coaches Sven, Raphael das Bier zu verstecken, quittierte dieser nur mit einem Grinsen, ebenso wie gegenüber der angebotenen Apfelschorle.

Nach einem lockeren Aufbausieg gegen eine Jugendmannschaft „Gambit Attacke“ und einer deutlich schwierigeren, letztendlich siegreichen Schlacht gegen die „Wikinger“-Truppe sollte unsere Siegsträhne zwar reißen, aber uns gelang dennoch ein glückliches 2:2 gegen die „Bonner Blitzer“; Philipp konnte sich so gerade mit 3 Sekunden und einem Bauern in den Zeitnotsieg retten.

Eine richtige Lektion erteilte uns das Godesberger Siegerteam „BadGo“, wo wir absolut chancenlos untergingen. In der 5. Runde gelang uns erneut eine kleine Überraschung; gegen Rüdiger Segers „Segewerk“ hatte ich mir eigentlich auch wenig ausgerechnet, jedoch punketeten Philipp und ich beide. Beschwingt von dem 2:2 setzten wir uns klar gegen die Tischfanatiker mit 3:1 durch.

Raphael und Gabriel setzten ihr Motto: „Eine Runde, ein Bier“ unbeirrt fort, was sich aber auf das Ergebnis (noch) nicht negativ auswirkte.

Dann kam es aber wieder ganz dicke, die „Hardstrucks“ von der KKS-Jugend überrollten uns mit 3,5-0,5 und die Siegburger „Königsmörder GmbH“ mit bergisch-gladbacher Unterstützung ließen uns ebenfalls keine Chance. Ich zog aus dieser Runde den Schluss, meine lächerlichen 1. c4-Versuche gegen stärkere Gegner erstmal zu unterlassen, so good is my english not yet; leider.

Erschöpft nach 8 harten Runden war ich als Oldie unseres Teams heilfroh über die Pause und die kommende Verpflegung. Philipp war mittlerweile, entgegen seinen eigenen Erwartungen, von sich überzeugt, dass er das Blitzen offenbar doch beherrsche (2+, siehe oben).

Als ich wieder am Brett zur 9. Runde Platz nahm, hatte ich das Gefühl, dass der Gerstensaft gegen Raphael obsiegt hatte. Offensichtlich hatten wir die Pausen unterschiedlich genutzt, ich zur Erholung/Brötchenjagd, er zur flüssigen Verpflegung. Prompt stellte er gegen die Hennefer „Teekenmannschaft“ eine Figur ein, die Martin S. solide zum Gewinn führte. Somit reichte es nur zu einem glücklichen 2:2. Zwischendurch machten sich die in Union-Tracht angereisten „Narva Berlin“ durch frenetische Schlachtrufe bemerkbar, sodass der Pegel der Spree wohl deutliches Hochwasser signalisierte. Meine persönliche 0,00 Promillegrenze sollte sich hingegen positiv auf die letzten Runde auswirken.

Es folgte ein umkämpftes 2:2 gegen das Jugendteam „Erftstadt 0“ (sic!), bevor wir zum Endspurt ansetzten. Ein klares 3,5:0,5 gegen „Irgendwas freundliches“ aus dem selbstbezeichneten Brühl V und ein ungefährdetes 3:1 gegen den interkulturellen Schachverein aus Köln, „Satranç I“, spülte uns endlich wieder an die vorderen Tische. Raphael tat die Rückkehr zum normalen Rhythmus „1 Runde, 1 Bier“ sichtbar gut, und die hervorragende Organisation der Erftstädter Turnierleitung ließ zum Glück keine höhere Schlagzahl zu.

Runde 13 bescherte uns ein weiteres Mal eine starke Truppe namens „Bier, Bier, Bier, Mett“. Meinem Gegner schien meine Eröffnung, geändert durch die bitteren Niederlagen, 1.d4 Sf6 2. Sf3 c5 3. c3!? nicht gefallen zu haben, dabei war er es, der um das Remis kämpfen musste. Naja, Schach muss man wohl auch auf dem Brötchenturnier korrekt spielen. Gabriel sorgte durch den vollen Punkt dafür, dass uns in der letzten Runde alle Chancen offen standen, eine gute Platzierung zu erreichen.

In der letzten Runde wurden wir gegen den inoffiziellen Markus-Rühl-Fanclub aus Dortmund-Brackel, „Ausgebobbt“ gelost. Ich spielte gegen einen sichtlich vom Hopfensud angeschlagenen Spieler, der aber trotz seines Zustands noch erstaunlich vernünftige Züge machte. Es war eine der vielen sympathischen Mannschaften des Turnieres, womit sich der gute Ruf des Ruhrgebietes wieder einmal bestätigte.

Kurz nach Mitternacht verkündete die Turnierleitung schließlich den Endstand: mit einer Bilanz von 17-11 (32,5 Brettpunkten) erreichten wir einen sensationell guten 9. Platz. Als Wermutstropfen bleibt zurück, dass das leider die letzte Veranstaltung in dieser Location war. Die Erftstädter bemühen sich nun darum, für 2026 ein Ausweichlokal zu finden, in dem vielleicht weniger Mannschaften mitspielen können. Mit einer Träne im Knopfloch wollen wir auch im Mini-Brötchenturnier 2026 wieder um Siege, Bier und Mettbrötchen kämpfen – es bleibt für mich das Highlight im Turnierkalender. Man trifft auf viele alte Bekannte aus der Schach-Community und spielt an den vordereren Tischen gegen hochklassige Gegnerschaft.

Vielen Dank an die Turnierorganisation und alle sonstigen Helfer, ihr wart wie immer klasse!

Zur Einzelstatistik:

BrettSpieler0102030405060708091011121314Ges.
1Jörg10,500,5110011110,519,5
2Raphael1110010,510110,5019,0
3Philipp1110110010110,519,5
4Gabriel10000000,5000,50,5103,5+1*
Add.Brett-P.42,520,5230,51,5223,532332,5
Erg.M.Pkt.2210120011221217
  1. Gambit Attacke (13-15) 4:0 (w)
  2. Die Wikinger (13-15) 2,5:1,5 (s)
  3. Bonner Blitzer (22-6) 2:2 (w)
  4. BadGo (23-5) 0,5:3,5 (s)
  5. Segewerk (15-13) 2:2 (w)
  6. Tischfanatiker (12-16) 3:1 (s)
  7. Hardstruck (17-11) 0,5:3,5 (w)
  8. Königsmörder GmbH (16-12) 1,5:2,5 (w)
  9. Teekenmannschaft (14-14) 2:2 (s)
  10. Erftstadt 0 (14-14) 2:2 (s)
  11. Irgendwas freundliches (12-16) 3,5:0,5 (w)
  12. Satranc I (12-16) 3:1 (s)
  13. Bier, Bier, Bier, Mett (17-11) 2:2 (w)
  14. Ausgebobbt (15-13) 3:1 (s)

In Klammern steht die Farbe des 1. und 3. Brettes, das 2. und 4. Brett hatten die entgegengesetzte Farbe.

*Gabriel wurde auf dem von mir geführten Schmierzettel ein Punkt versehentlich nicht gutgeschrieben, daher ist dritte Sieg von ihm nicht mehr nachvollziehbar.

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